Anja in London

Nice to see you
 
 

Unverhofft kommt oft – oder „Things always seem to happen when you least expect them“ 07.12.2009

Hey ihr Lieben,

die erste Arbeitswoche ist geschafft

Der erste Arbeitstag war sehr aufregend. Ich habe mich extra ganz chic angezogen (Kostümchen und weiße Bluse) und wurde um 9 Uhr erwartet. Tja, jetzt gehöre ich tatsächlich dazu! Mit noch tausenden weiteren farblos gekleideten Anzugträgern ging es in das 200 Meter hohe Gebäude. Meine Tasche musste durchleuchtet werden und dann durfte ich in die riesige Empfangshalle. Wahnsinn! Große Fernseher, Aktienkurse und wie in einem organisierten Armeinsenhaufen laufen 9000 Angestellte der HSBC in diesem Gebäude hin und her. An der Rezeption hat mich Aly empfangen. Ein junges super süßes Mädel mit blonden Haaren und hohen Absätzen und einem offenen Lächeln. Sie soll mich laut meiner Chefin die nächste Zeit „under her wings“ nehmen! Sie hat mir gleich alles erklärt. Ich war jedoch so aufgeregt und damit beschäftigt meine typische Anja-Aufregungs-Schwitzattacken in den Griff zu bekommen, dass ich einfach nett gelächelt habe. Ich musste an Ini in America denken: denn ich habe nix verstanden aber immer freundlich gelächelt.

In diesem Gebäude gibt es mehrere Aufzugsysteme und das Mysterium habe ich noch nicht vollständig erschlossen. Denn 6 Aufzüge überspringen Level 1 – 14 und halten nur in 15-25. Sechs andere wiederum nur in 25-35 bzw. höher. Man kann auf einem Service Level umsteigen in ein anderes System und… ach, keine Ahnung. Jedenfalls gibt es auf diesen Service-Level „Costa Coffee“ und Sandwich-Läden, die alles seeeehr lecker frisch zubereiten. Keine Ahnung von Aufzügen, aber wenn’s ums Essen geht weiß ich bescheid!

Ich arbeite auf Level 18 und Aly hat mir die Kollegen vorgestellt. Alle waren super nett und haben mich herzlich willkommen geheißen. Ihre Jokes habe ich nicht immer verstanden, aber haben sie gelacht, habe ich mitgelächelt.  Ich habe einen eigenen Schreibtisch und Lizzie die Sekretärin hat alles besorgt was ich brauche! (fast wie Weihnachten). Sie hat sich auch darum gekümmert, dass noch am ersten Tag alle Systeme laufen und Aly hat mir gleich die Unterlagen für das erste Projekt gezeigt wo ich mitarbeite. In der Mittagspause hat sie mich zum Mexikaner eingeladen und da endlich meine Aufregung nachgelassen hatte, konnten wir uns richtig schön unterhalten. Sie ist einfach ein Herzchen und total offen.

Was gibt es über die Arbeit zu berichten? Es gibt noch eine große Kantine mit sehr gutem Essen und sonst gibt es in Canary Wharf auch etliche Läden, die quasi unter dem Gebäude liegen. Level 5 ist ein Fittness-Studio, aber da ich ja eins im Haus habe, werde ich da erstmal nicht hingehen. Zu meinen Tätigkeiten gehören Projekte mit unterschiedlichen Ländern, aber da ich nicht die genaue Grenze des Bankgeheimnisses austesten möchte, belasse ich es mal bei diesen Informationen. Die Arbeit macht mir auf jeden Fall großen Spaß und ist eine absolute Herausforderung. Abends bin ich hundemüde ins Bett gefallen.

Während dieser Woche habe ich schon gemerkt, dass ich langsam anfange in englischer Sprache zu denken. Viele Wörter schreibe ich mir noch auf, um sie ggf. noch mal zu wiederholen, aber sonst hoffe ich einfach, dass ich im nächsten halben Jahr die Sprache wirklich verinnerliche.

Einen Abend war ich mit Ana beim Sport, aber sonst war ich eigentlich immer extrem müde. Freitag Abend hat mich ein Kollege gefragt ob ich Lust hätte, mit zu einer After-Work Abschiedsparty eines Kollegen zu gehen. Da ich mir ja fest vorgenommen habe, erstmal zu allem „Ja“ zu sagen, war ich natürlich dabei! Die Party war in einem alten Hafengebäude in der Nähe der HSBC. Es war sehr witzig und dank Weißwein sprudelten die Vokabeln nur so aus mir heraus. Ein Kollege hat mich nach Hause gebracht, da er hier ganz in der Nähe wohnt und dann war ich noch mit Ana verabredet. Mit ihr und ihren spanischen Freundinnen sind wir zu einem Club auf der Old Street gefahren. In dem Club wurde ich von einem Typen angesprochen, der mich gleich in ein Gespräch verwickelt hat. Ich finde es total spannend, mich mit Leuten zu unterhalten die einfach „anders“ sind. Mit anders meine ich, dass er aussah wie Cat Stevens (als Yusuf) und seine Freunde waren: ein Pirat, ein Cowboy und einer mit schwarzen langen Rastas… „Nein“ kein Karneval… hier in den Londoner Clubs ist es einfach etwas „schräg“! Er war sehr nett und hat mir ein Bier ausgegeben. Und dann kamen leider doch meine typisch deutschen Gedanken hoch; oder soll ich sagen, typisch Anja??? Es könnte ja sein, dass der Typ mir irgendetwas ins Glas getan hat? Also habe ich– um nicht unhöflich zu sein – das Bier unauffällig weniger werden lassen ohne den ganzen Abend auch nur einen Schluck zu trinken.   Insgesamt war der Abend super witzig und die spanish Mädels echt gut drauf.

Samstag musste ich erstmal laaaange ausschlafen. Abends hatte ich Ana gefragt, was sie an diesem Abend geplant hat. Ihre Freundinnen sind zu Besuch gekommen, doch da es mal wieder geregnet hat, wollten Sie nur ne Runde im Pool schwimmen gehen. Also habe ich mich gefragt: Was tun, an einem Samstagabend in London, wenn man kaum eine Person kennt? Kurz entschlossen habe ich einfach mal an der Tür gegenüber meines Apartments geklopft! …um ehrlich zu sein, habe ich mir in diesem Moment schon die Frage gestellt, was ich denn hier eigentlich mache??? Würde ich in Deutschland an irgendeine Tür klopfen um zu fragen, was er/sie/es heute macht? NEVER! Wer würde mir da jetzt bloß öffnen? In Gedanken schon bei etlichen irrsinnigen Ausreden hat mir „James“ geöffnet. Ein Phillipine aus der Schweiz, der nun seit drei Wochen hier in London bei einer Bank arbeitet. Wir haben uns sehr nett unterhalten und noch von mir selbst erschrocken über meine offene Art, haben wir uns für heute Abend 18:30 Uhr verabredet.

Wir wollten was gemeinsam Essen gehen und hatten Lust auf Pizza. Auf dem Lageplan stand nur „Jamie’s Italien“ und ich dachte noch insgeheim: Na sehr originell, wo doch jeder dritte Engländer Jamie heißt!“ Doch das Restaurant sah von außen super aus und war picke packe voll. Kein Wunder, denn wir waren bei „Jamie Oliver“! Dem Starkoch aus England! (kam in Deutschland i.d.R. Samstag Mittag im Fernsehen! ) Wir mussten zwar etwas über eine Stunde warten, aber das wurde mehr als belohnt! Wir haben einen Spezial-Cocktail getrunken und zwischendurch wurden Snacks gereicht! Beim Essen haben wir dann richtig zugeschlagen! Als Vorspeise habe ich Parmesan gegessen. Klingt komisch „nur Parmesan“ aber der war der absolute Hammer! Als Hauptspeise Nudeln mit ganz tollen Gewürzen und als Side Order noch Pommes. OK… normalerweise würde ich keine Pommes zu Nudeln bestellen, aber die waren mit Trüffeln und ich wollte die einfach unbedingt mal probieren! Ich habe noch nie sooooo was wahnsinnig leckeres gegessen! James und ich haben nur geschwärmt! Wir haben uns den ganzen Abend super unterhalten und hatten richtig Spaß!

„Ich sollte öfter an fremde Türen klopfen!“

Den Sonntag haben wir dann auch zusammen verbracht. Wir waren im „Tate Britain“ Museum und haben danach im Covent Garden bei Glühwein die Weihnachts-Stimmung genossen. Hier auf diesem Marktplatz gibt es tolle kleine Läden und etliche Straßenkünstler, die die Atmosphäre wirklich perfekt machen. Wir sind durch viele kleine Gassen gelaufen, vorbei am Leiceister Square bis Piccadilly Circus. Es ist unglaublich was hier an einem Sonntagabend los ist und die Stimmung war echt schön!

Hätte wohl nie gedacht, dass mein Wochenende so verlaufen würde, zumal ich eigentlich nichts geplant hatte. Bin gespannt, was mich in den kommenden Wochen noch alles erwartet.

Ganz liebe Grüße, eure Anja

9.12.09 01:20

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